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Die Mutter Courage des Ostens ist tot.

Am 26. November 2001 stirbt Regine Hildebrandt im Alter von 60 Jahren nach langer, schwerer Krankheit. Nicht nur Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten trauern um die „Mutter Courage des Ostens“. Regine Hildebrandt war eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Sie überzeugte durch ihre Glaubwürdigkeit, ihre Courage und ihren unermüdlichen Einsatz für die Schwächeren in unserer Gesellschaft.

„Regine Hildebrandt war eine Frau, die anderen Menschen Mut gemacht hat. Eine, die Zuversicht geben konnte. Für viele Menschen, nicht nur in Not und Verzweiflung, war sie eine Hoffnung. Es lohnt, aufrichtig zu sein und sich für die Probleme zu interessieren – das war ihre Botschaft“, würdigte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die beliebte SPD-Politikerin bei der Trauerfeier in der Potsdamer Nikolaikirche.

Regine Hildebrandt war die Stimme des Ostens im wiedervereinigten Deutschland. Unermüdlich und ohne Schnörkel hat sie sich für mehr soziale Gerechtigkeit eingesetzt und dafür gekämpft, dass das menschliche Miteinander trotz Umbruch und Veränderung nicht verloren ging. Damit hat sie Brücken zwischen Ost und West und zwischen den Menschen gebaut. „Geht nicht“ gab es nicht für sie. Regine Hildebrandt hat laut ausgesprochen, wo der Schuh drückt und sich damit einen festen Platz in den Herzen der Menschen im ganzen Land erobert. Gemeinsam anpacken und etwas verändern – das war ihre Devise.

Regine Hildebrandt wurde am 26. April 1941 in Berlin-Mitte geboren. Nach der Evakuierung kehrte die Familie 1945 nach Berlin zurück. Die ersten Jahre ihrer Schulzeit besuchte Hildebrandt noch die nächstgelegene Schule im Westen Berlins, danach entschieden sich die Eltern für eine Schule im Osten. Nach dem Schulabschluss studierte Hildebrandt zwischen 1959 und 1964 Biologie an der Berliner Humboldt-Universität. Da sie kein Mitglied der FDJ (Freie Deutsche Jugend) war, wurde ihre Studienbewerbung zunächst abgelehnt. Durch ein nachträgliches Immatrikulationsverfahren erhielt Hildebrandt dann doch einen Studienplatz und konnte 1968 sogar über einen Frauenförderplan promovieren. Nach ihrem Studienabschluss war sie bis 1978 fast 15 Jahre stellvertretende Abteilungsleiterin der Pharmakologischen Abteilung in der Arzneimittelforschung des VEB Berlin-Chemie und war anschließend bis 1990 als Bereichsleiterin in der Zentralstelle für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten in Berlin tätig.

Während des politischen Umbruchs in der DDR 1989 engagierte sich Hildebrandt in der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ und trat am 12. Oktober 1989 der Sozialdemokratischen Partei der DDR bei. Bei den ersten freien Wahlen der DDR wurde sie in die Volkskammer gewählt. In der ersten frei gewählten Regierung der DDR war sie von April bis August 1990 Ministerin für Arbeit und Soziales im Kabinett von Lothar de Maizière. Später wurde sie in den Bundesvorstand der SPD gewählt.

Im Herbst 1990 trat Hildebrandt als Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen in die erste brandenburgische Landesregierung im Kabinett Stolpe I ein. Vor allem in Brandenburg, aber auch weit über das Land hinaus war Hildebrandt wegen ihres außergewöhnlich offenen, volksnahen, oft auch undiplomatischen Auftretens populär, was auch in dem Spitznamen „Mutter Courage des Ostens” zum Ausdruck kam. Nachdem Ministerpräsident Manfred Stolpe nach der Landtagswahl im Herbst 1999 eine Koalition mit der CDU eingegangen war, trat Hildebrandt aus der Landesregierung aus.

Hildebrandt bekam unter anderem 1997 die Goldene Henne und 2001 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und den Fritz-Bauer-Preis der Humanistischen Union verliehen. Im Jahre 1991 war sie zu Deutschlands Frau des Jahres gewählt worden. Die Parteizentrale der SPD Brandenburg, der Regine-Hildebrandt-Park in Berlin-Hellersdorf sowie mehrere Seniorenzentren und Pflegeheime wurden nach ihr benannt. Regine-Hildebrandt-Schulen gibt es in Birkenwerder, Fürstenwalde/Spree und in Magdeburg.

Seit 2002 wird jährlich der „Regine-Hildebrandt-Preis“ der deutschen Sozialdemokratie vergeben. Im Andenken an eine große Sozialdemokratin werden Personen oder gesellschaftliche Gruppen für ihre Verdienste bei der Herstellung der inneren Einheit Deutschlands und ihr herausragendes zivilgesellschaftliches Engagement ausgezeichnet.

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Foto: photothek

 

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