Regine Hildebrandt


"Mutter Courage des Ostens"

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Regine Hildebrandt
„Mutter Courage des Ostens“

Geboren wird Regine Radischewski am 26. April 1941 in Berlin. In ihrer Jugend schließt sie sich der Jungen Gemeinde der Evangelischen Kirche in Ostberlin an. Die Mitgliedschaft in der DDR-Staatsjugend, den Pionieren und der FDJ (Freie Deutsche Jugend), lehnt sie ab. Nach dem Abitur studiert sie an der Humboldt- Universität Biologie und arbeitet nach der Promotion in einem pharmakologischen Großbetrieb. 1966 heiratet sie Jörg Hildebrandt.

Etwas verändern wollen

1989 engagiert sich Regine Hildebrandt in der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“. Unmittelbar nach Gründung im Oktober 1989 tritt sie in die Sozialdemokratische Partei der DDR (SDP) ein, die sich später mit der SPD vereinigt. Sie wird Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Am 12. April 1990 tritt sie als Ministerin für Arbeit und Soziales in die Regierung de Maizière ein. Ende August 1990 legt sie dieses Amtes nieder, nachdem die Koalition aus CDU, DSU, SPD und FDP an den Folgen der Auseinandersetzung um den Einigungsvertrag zerbricht.

Populärste Politikerin

1990 wird Regine Hildebrandt in den SPD-Parteivorstand gewählt, dem sie bis 2001 angehört – zuletzt immer mit dem besten Stimmergebnis. Im Oktober 1990 kandidiert sie erfolgreich für den neuen Brandenburger Landtag und wird Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen. Als die SPD 1999 eine Koalition mit der CDU eingeht, gibt sie das Ministeramt auf. Bleibend ist ihr Einfluss auf das 1996 gegründete Forum Ostdeutschland der SPD, das sie mitgebründete und prägte.

„Die Wahrheit is' manchmal brutal – soll ick sie deswegen verschweigen?“

„Politik geschieht schon gar nicht dort, wo man sich den Hintern plattsitzt.“

„Erzähl mir doch nich, dasset nicht jeht.“

„Wer sich nicht bewegt, hat schon verloren.“

Herz mit Schnauze

Regine Hildebrandts Auftritte und ihr soziales Engagement sind legendär, auch wenn ihr Kampf für Gerechtigkeit gelegentlich von schroffen Tönen begleitet wird. Zögerlichkeit mag sie gar nicht. Egal wie schwierig die vor ihr liegende Aufgabe ist, sie sagt: „Erzähl mir doch nich, dasset nicht jeht.“ Ihr Witz und ihre Schlagfertigkeit machen sie zur gesamtdeutschen Ikone, weil sie gleichzeitig überzeugte Bundesbürgerin und bekennende DDR-Frau ist.

„Mutter Courage des Ostens“

Der „Mutter Courage des Ostens“ gelingt es, den Leuten klarzumachen, wie toll es ist, „dass wir die Diktatur weghaben“. Gleichzeitig gesteht sie, dass man auch bei der Demokratie manchmal kalte Füße kriegt. Sarkastisch konstatiert sie bald nach der Wende: „Heute können wir rausbrüllen, was wir wollen, aber es hört keiner zu.“

Hildebrandt bekam unter anderem 1997 die Goldene Henne und 2001 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und den Fritz-Bauer-Preis der Humanistischen Union verliehen. Im Jahre 1991 war sie zu Deutschlands Frau des Jahres gewählt worden. Die Parteizentrale der SPD Brandenburg, der Regine-Hildebrandt-Park in Berlin-Hellersdorf sowie mehrere Seniorenzentren und Pflegeheime wurden nach ihr benannt. Regine-Hildebrandt-Schulen gibt es in Birkenwerder, Fürstenwalde/Spree und in Magdeburg.

Als sie 1996 schwer an Krebs erkrankt, sagt sie: „Entscheidend ist nicht die Länge des Lebens, sondern dass man sein Leben weiterführen kann, so wie man es für richtig hält.“

Regine Hildebrandt stirbt nach langer Krankheit am 26. November 2001 in Woltersdorf bei Berlin. In ihrem Kondolenzbuch steht der Eintrag: „Politik habe ich nicht verstanden, aber Sie habe ich verstanden.“

Seit 2002 wird jährlich der „Regine-Hildebrandt-Preis“ der deutschen Sozialdemokratie vergeben. Im Andenken an eine große Sozialdemokratin werden Personen oder gesellschaftliche Gruppen für ihre Verdienste bei der Herstellung der inneren Einheit Deutschlands und ihr herausragendes zivilgesellschaftliches Engagement ausgezeichnet.