Manfred Stolpe

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Dr. Manfred Stolpe (1936–2019)

 

Ministerpräsident Dietmar Woidke erklärt zum Tode von Manfred Stolpe: „Dies ist ein Tag tiefer Trauer. Wir nehmen Abschied von einem großen Mann, der unser junges Land geprägt hat wie niemand sonst. Manfred Stolpe war der Vater des modernen Brandenburgs. Er trug die Liebe zu Brandenburg in seinem Herzen, lange schon bevor unser Land 1990 gegründet wurde. Er gab dem Land Stimme und Gesicht. Im besten Sinne des Wortes war Manfred Stolpe Landesvater und Mutmacher in einem.

 

Kirchenmann, Ministerpräsident und Ehrenvorsitzender

 

Manfred Stolpe wurde am 16. Mai 1936 in Stettin (heute Szczecin in Polen) als Sohn eines Kaufmannes und einer Postangestellten geboren und wuchs nach dem zweiten Weltkrieg in der DDR auf. 

1955 begann er an der Universität Jena ein Studium der Rechtswissenschaften, das er vier Jahre später abschloss. Bis 1961 war er zu einem Gaststudium an der Freie Universität Berlin eingeschrieben, welches er auf Grund des Mauerbaues nicht weiterführen konnte.

Stolpes Tätigkeiten fokussierten sich daraufhin auf seine Arbeit in der evangelischen Kirche; er übernahm 1962 die Funktion des Leiters der Geschäftsstelle der Evangelischen Kirchenleitungen in der DDR, für welche er bereits seit 1959 tätig gewesen war. Ab 1969 leitete er das Sekretariat des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR der im selben Jahr als DDR-eigener Zusammenschluss der evangelischen Landeskirchen gegründet worden war, und behielt dieses Amt bis 1982 bei. Bis 1989 war Stolpe stellvertretender Vorsitzender des Bundes.

1990 wurde Manfred Stolpe Mitglied der Sozialdemokratische Partei Deutschlands, trat als Spitzenkandidat der SPD Brandenburg für die kommende Landtagswahl an. Er wurde der erste Ministerpräsident Brandenburgs. In den kommenden Jahren arbeitete er unermüdlich an der Verbesserung der Wirtschafts- und Lebensverhältnisse des jungen Bundeslandes, das mit einer Vielzahl von Problemen zu kämpfen hatte, wie beispielsweise der hohen Arbeitslosigkeit. Dank seines Erfolges und seiner Beliebtheit wurde Stolpe bei der nächsten Landtagswahl im Jahre 1994 mit einem überwältigenden Ergebnis von über 54 % wiedergewählt. Auch bei der darauffolgenden Wahl 1999 konnte die SPD unter Stolpes Leitung weiterhin stärkste Kraft bleiben. Drei Jahre Später gab Stolpe überraschend das Amt des Ministerpräsidenten ab, um sich der Bundespolitik zu widmen. Sein Nachfolger wurde Matthias Platzeck, der bis dato Oberbürgermeister der Stadt Potsdam gewesen war.

In seiner Zeit als Ministerpräsident konnte Manfred Stolpe zahlreiche Erfolge verbuchen. Besonders lagen ihm die Entspannung zum Nachbarland Polen, die gelungene Integration Brandenburgs in ein geeintes Deutschland und der Kampf gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit am Herzen. Sein unermüdliches Engagement für sein Bundesland brachte ihm daher zu Recht die Bezeichnung als „Gründervater Brandenburgs“ ein. Stolpe bemühte sich darum, dass die Bewohner seines Landes von der Bundespolitik ernstgenommen wurden und setzte dabei stets auf Verständigung anstelle von Konfrontation. Als Brandenburger beteiligte er sich 2002 maßgeblich an der Gründung eines Kuratoriums zur Hilfe der Opfer des Jahrhunderthochwassers in Ostdeutschland, welches immense Schäden verursacht hatte.

Im selben Jahr wurde er unter Kanzler Gerhard Schröder Bundesminister für Verkehr, Bau und Wohnungswesen sowie Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer. In dieser Position war er federführend an der Entwicklung der LKW-Maut auf deutschen Autobahnen beteiligt, welche unter seiner Leitung erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Mit weiteren Infrastrukturprojekten förderte er zudem eine Erweiterung und Integration der EU nach Osteuropa.

Er besitzt die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Greifswald, der Theologischen Fakultät der Universität Zürich, der wissenschaftlichen Fakultät der Universität Stettin und der Toyoda-Universität Tokio.

1999 erhielt Manfred Stolpe das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. 2006 wurde ihm der Verdienstorden des Landes Brandenburg und 2012 der Europäische Kulturpreis für Politik verliehen.

Manfred Stolpe war Ehrenvorsitzender der SPD Brandenburg und blieb dies bis zu seinem Tode.

Am 29. Dezember 2019 verstarb Manfred Stolpe in Potsdam im Kreise seiner Familie.

Die Grabstätte befindet sich auf dem Bornstedter Friedhof.

 

Zusätzliche Informationen finden sie auf der Internetseite manfred-stolpe.de.